Pfarre Bad Ischl




Geschichte


Wer sich zur Nachtzeit dem „Herzen des Salzkammergutes“ nähert, den grüßt von Weitem schon die Ischler Kalvarienbergkirche, eingetaucht in die strahlende Helle der Scheinwerfer. Doch auch am Tage beherrscht dieses Gotteshaus am Haischberg das bäuerliche Umland der Kurstadt. Einiges aus der Geschichte dieses Heiligtums soll hier erzählt werden.

Der Beginn:

Der Ischler Kalvarienberg (calvaria — lateinisch: Schädelstätte) entstand im Zeichen barocker Frömmigkeit. Den ersten Kalvarienberg im Salzkammergut errichteten die Jesuiten in ihrer Residenz zu Traunkirchen im Jahre 1696. Zehn Jahre später folgt an zweiter Stelle die Kalvarienbergkirche von Ischl, die in den Jahren 1704 bis 1706 erbaut worden ist.
Am Fest der Kreuzerhöhung des Jahres 1706, am 14. September — so berichtet die Pfarrchronik — Wurden „die Statuen“ von Ischler Bürgern in feierlicher Prozession von der Pfarrkirche auf „den Berg“ getragen. Darunter dürfen wir die Figuren der Kreuzigungsgruppe verstehen. Wir kennen den Meister nicht, der diese Statuen geschnitzt hat, die den zentralen Mittelpunkt des Kalvarienberges bilden. Vielleicht war es der Mondseer Bildhauer Johann Georg Kammerdorfer, der sich 1704  im Markt lschl ankaufte, 1707 sein Haus wieder verkaufte, da sein Auftrag — „die Statuen" — erfüllt war. Kammerdorfer gehörte zum Kreis der berühmten Guggenbichler-Werkstatt in Mondsee. Zu den Statuen der Kreuzigungsgruppe aus Meisterhand zählen Jesus, die beiden Schächer, die hl. Maria und der hl. Johannes.

Spätere Zutaten sind Maria Magdalena am Fuße des Kreuzes knieend und zwei Reiter links und rechts der Gruppe. Einer davon mit Lanze (vgl. Joh 934). der zweite könnte der bei den Synoptikern angefiihrte Hauptmann sein (vgl. Mk 15, 39) Diese drei Figuren werden das erste Mal in einem Gebetsbüchlein von 1761 vorgestellt. Diese späteren Ergänzungen unterscheiden sich in ihrer künstlerischen Qualität ganz wesentlich von den Hauptfiguren der vielbewunderten Kreuzigungsgruppe.

Die älteste Ansicht der Kalvarienbergkirche, deren Ausmaß im Grundriss das hellgraue Steinpflaster umgrenzt, bietet ein Votivbild, mit  der Bezeichnung „Brand im Gries“. Dieses Bild aus dem Jahre 1709 zeigt eine eintürmige Kirche und die Kreuzwegkapellen, die den stufenreichen Weg begleiten. Zusammen mit der Kirche entsprechen die vier Stationskapellen den fünf Geheimnissen des schmerzhaften Rosenkranzes. Mit dem hl. Florian und dem hl. Antonius hält die Gottesmutter‘ ihre schützende Hand über lschl, das im Stadtteil „Gries“ (am rechten Traunufer) von einer Brandkatastrophe heimgesucht worden war.

Ein Teilmotiv dieses Bildes, nämlich die vorher beschriebene „Madonna mit den Tränen“, befindet sich in einer noch älterer Darstellung eingefügt in den heutigen Seitenaltar. Es trägt am unterer Rand die Inschrift: „R. P. Felix Ezinger, Profeß Lambacensis, Ord. S P. Benedicti, 1705“. Gemeint ist der am 2. Nov. 1663 in Ischl geborene Pater Felix Ezinger, Konventuale des Benediktinerstiftes Lambach und erster nachweisbarer Priester aus Ischl. Er dürfte als Initiator und Baumeister maßgebend für unsere Kalvarienbergkirche gewesen sein. Belegt ist sein späteres Wirken als Baumeister noch bei anderer Kirchen wie Kalvarienberg Lambach (1717), Dreifaltigkeitskirche Stadl-Paura (1717 -24) und Kalvarienberg Neumarkt (1728).
War also durch die beiden Votivbilder die gnadenbringende Kraft des Kalvarienberges augenscheinlich erwiesen, so verstehen wir auch dass die Pfarrchronik von zahlreichen Bittprozessionen berichtet, die „am Berg“ Hilfe in den verschiedensten Anliegen suchten: um schönes Wetter, um Abwendung von Pest, Hunger, Krieg usw. Hierher gehören auch die Vielen Stiftungen, die in einem Verzeichnis im Pfarrarchiv zusammengefasst sind.

Allein diese Aufzählung und die vielen Bittprozessionen machen es  verständlich, dass man schon 1708   an eine Erweiterung der Kalvarienbergkirche dachte, die dann im Jahre 1714 auch durchgeführt worden ist, ohne dass wir von den baulichen Veränderungen Näheres erfahren. Wir wissen nur, dass zu dieser Zeit zwei Seitenaltäre schräg zum Hochaltar aufgestellt wurden, dass 1715 der Lidl’sche Marienaltar dazukam und dass Paul Preisl das „Jüngste Gericht“ 1715 malte (Ölbild über dem Seiteneingang).

Eine weitere Kostbarkeit erhält unser Kirchlein noch im Jahre 1715 als Lorenz Santmayr in die hölzerne Empore eine höchst form.- und klangschöne Orgel einbaut. Santmayr war Schulmeister und Organist in Wimsbach und
betrieb dort neben seinem Beruf eine kleine Orgelbauwerkstatt. Fünf Register und 45 Metallpfeifen im einfeldrigen Prospekt geben dieser Königin der Instrumente eine herzliche und edle Klangfarbe.

Mit der Einfügung einer Glocke in die eintürmige Kirche hatte der Ischler Kalvarienberg seine wesentliche Grundausstattung. Auf der Glocke finden wir die Figuren St. Nikolaus, St. Antonius und das Kruzifix. Ihre Inschrift besagt:

Jesus von Nazareth, REX Judaeorum, Zu Gottes Ehr bin ich geflossen, Johannes Häckhl hat mich gegossen in Salzburg anno 1724

Wenden wir uns nach dieser Übersicht über die ersten Jahrzehnte der lschler Kalvarienbergkirche hinsichtlich ihrer Bau- und Kunstgeschichte den kirchlichen Belangen so verzeichnen wir am l4. Jänner 1707 die Bewilligung zum Messelesen auf dem Hochaltar. Diese Urkunde ist gezeichnet vom Passauer Fürsterzbischof Kardinal Philipp Graf Lamberg, der im Jahre 1711 auch die Weihe der Kalvarienbergkirche vollzog und bei dieser Gelegenheit — so berichten die Chroniken vielen Tausenden das hl. Sakrament der Firmung spendete. Sein Amtsnachfolger Ferdinand Raimund Rabatta erteilte am 26. Nov. 1716 die Messlizenz für die Seitenaltäre. ln diesem Zusammenhang sei bemerkt, dass das Salzkammergut bis zur Errichtung der Diözese Linz (1785) dem Passauer Bistum zugehörte. Dort suchte der Jesuitenrektor Josef Sancho im Jahre 1764 um die Erlaubnis zur Errichtung einer HL-Grab-Kapelle auf dem Kalvarienberg an. Es ist anzunehmen, dass im selben Jahr der Kapellenbau unmittelbar südlich der Kirche erfolgte.
Drei Jahre vorher 1761 wurde das schon oben erwähnte Gebetsbüchlein von Gregori Menhardt in Steyr mit einem Bild des Hochaltares mit folgendem Titel herausgegeben. “ Andächtige. Besuchung des nächst bey dem Kaiserl.Königl. Salzkammergut Markt Ischl befindliche und mit anmüthigen Stationen gezierten Berg Calvariä“. Es führt durch alle Gesätzchen des schmerzhaften Rosenkranzes analog den Kreuzwegstationen

Die Erweiterung

Der zunehmende  Pilgerstrom machte eine Erweiterung der Kirche notwendig. Darüber berichtet eine Aufzeichnung in der Sakristei. aus dem 1779:

„In Jahr 1779, den 30.0ktober ist man allhier in den hochwürdigen Culvariberg mit dem Geby fellig fertig worden allwoh als den allerhöchsten Gott ewigen Dank gesagt seye daß alles so gliklich  und guat vorbeigangen. Indem die zwey düm von neuen seynd aufgemauret und der Berg etwas erweitert worden wie auch die Verschallung inwendig von neuem hinaufgemacht wie auch ausgemallen worden allwoh die hierauf ergangenen Unkosten, dass mehrere von der Berg Calvariekasse bezahlt worden, aber auch vielen von denen Guatthätern beigetragen worden welches  ich bezeig Johann Sebastian Lidl als der Zeit ich die Ehre gehabt, als Bauherr Verwalter  zu sein . Als Oberverwalter und Herr Pfarrer ist gewest der Hochwürdige Herr Georg Weinhauser. Sey also9 Gott die Ehr und Dank gesagt.“

Das Wesentliche dieser Erweiterung ergibt sich aus dem Anbau der Apsis für die Kreuzigungsgruppe, dem Zubau der Sakristei und dem Neubau von zwei Türmen. In der Stirnfront  finden wir drei flache Nischen in denen sich drei Figurengruppen befinden.
Diese fast lebensgroßen Terrakotta-Statuen zeigen das „Gericht Jesu“. Auch hier wissen wir nicht, wer diese interessanten Figuren geschaffen hat und ob sie nicht vielleicht schon die eintürmige Fassade geziert haben. Bleibt nur der Hinweis, dass sich am Karner in Lorch (Enns) Figuren von gleicher Art befinden. Die Entstehungszeit dieser Tonstatuen dürfen wir in die Jahre der Türkenkriege verlegen, tragen doch die Feinde Jesu besonders deutlich Gerichtsdiener in der rechten Figurengruppe türkische Gewandung.
Für Johann Steiner freilich ist das ein Anlass, in seinem weit verbreiteten Reiseführer der Biedermeierzeit zu bemerken:
„Die Figuren in den drei Nischen der vorderen Kirchenfront sind zwar dem Ort und der Leidensgeschichte, aus welcher sie eine Vorstellung abgeben sollen, angemessen und durch ihre Größe imponierend; alleine sie erregen für den in der Geschichte Bewanderten einen unangenehmen Eindruck, wenn man zur Zeit der Leidensgeschichte des Herrn neben einem jüdischen Hohenpriester einen katholischen Priester in gegenwärtiger Kleidung und einen den Heiland spottenden Juden in einer gestreiften Pantalonhose erblickt.“ Johann Steiner: Der Reisegefährte durch die österreichische Schweiz oder das obderennsische Salzkammergut. Linz 1832 (Seite 181/182).

Die „gestreifte Panlalonhose“ weist auf die ursprünglich bunte Bemalung der einzelnen Figuren Bilder der Biedermeierzeit zeigen noch diese  bunte Gewandung, die im späten 19. Jh. durch einen grauen Ölanstrich .. bei der Renovierung 1964 durch einen dunkelroten Grundton ersetzt wurden ist.
Neben diesen Terrakotta-Figuren bestimmen die beiden Türme mit den Zwiebelhelmen,  das Auge Gottes, , eine Sonnenuhr und Engelköpfe im Stuckzierat das Gesicht der Stirnfront.

Aus vorheriger Aufzeichnung erfahren wir dass die Kirche 1779 „außgemallen“ worden ist. Damit ist wohl in erster Linie das barocke Deckenfresko gemeint. Es zeigt Gottvater, der auf der Weltkugel  trohnt, den Hl. Geist in Gestalt der Taube und das Kreuz Christi. Dieses ist umgeben von Engeln, die die Leidenswerkzeuge (Geißel. Schwamm, Schweißtuch der Veronika) in Händen halten. Wiederum verschweigen die vorhandenen Aufzeichnungen den Namen des Künstlers.

Dass uns dieses Deckengemälde heute fast in der ursprünglichen Konzeption begegnet, verdanken wir der Renovierung des Jahres 1961. Damals war geplant, das Kircheninnere neu auszumalen. Bei der Vorbereitung des Untergrundes entdeckte der mit der Färbelung beauftragte Malermeister Heinrich Neureiter die Reste einer Barockmalerei.
Daraufhin wurden weitere Zonen frei gelegt. Erst jetzt konnte man den Zusammenhang mit dem barocken Gesamtkonzept aus dem Jahre 1779 erkennen.
Im Restaurierungsbericht von Herrn Prof. Fritz Fröhlich heißt es dazu: das 120 m2  große Fresko secco liegt in der ungegliederten Tonne...
Daran schließt sich ein breiter Rahmen. Genau in der Mittelteilung... je ein Medaillon (Evangelienseite: Moses mit der ehernen Schlange: Epistelseite: Adam und Eva), gut erhalten, doch fehlt die barocke architektonische Einbindung... lm Zuge der Renovierung (1824) erhielten die beiden Medaillons eine dekorative Einfassung durch je ein Putto-Engelpaar, eingefügt in unbeholfen ausgeführt, quasibarocke, Scheinstuckgebilde... Die nächste Renovierung (1893) brachte eine weitere, die barocke Situation völlig aufhebende Neuerung. Das Gemälde wurde auf ein Sechstel der Gesamtgröße verkleinert, dieser Teil mit Ölfarbe „verbessert“ übermalt‚ der Teil außerhalb bis am den Rand der Tonne mit Leimfarbe in einem krausen Arabeskengewirr schablonenhaft ausgemalt.“
Das also war die Situation, welche die Restauratoren des Jahres 1960/61 vorfanden. Was nun geschah, sei nur in einigen Sätzen aus obigem Restaurierungsbericht wiedergegeben: „Nach Abwaschen der verhältnismäßig sich rasch lösenden Leimmalerei wurde die sehr hart Ölmalerei, sowie der als „Schlußlasur“ darübergelegte Ölfirnis Schicht um Schicht abgenommen... An allen Stellen, an denen sich auf die Berohrung durchgehende Sprünge zeigten. sowie an mürben Putzstellen wurde das Gefüge geöffnet, die Randzonen mit Kalkmilch gehärtet und die Stellen neu verputzt. Nach Abschluss  dieser Vorarbeiten präsentiert sich das gesamte Gemälde gut überschaubar in der vom Barockmeister intendierten Konzeption.“
Durch diese kunstgerechte Renovierung hat die Kalvarienbergkirche an künstlerischer‘ Geschlossenheit und Qualität ganz wesentlich gewonnen. Das mag auch mit ein Grund sein. dass dieses in einer grünen Stille liegende Gotteshaus auch eine Hochzeitskirche geworden ist, die sich steigender Beliebtheit. erfreut.

Doch nun zurück ins beginnende 19.Jh.,in dem der alte Salzmarkt Ischl durch den kaiserlichen Leibarzt Dr. Franz Wirer zum Heilbad wird (1823). Dieser Arzt schreibt in seinem Buch „Ischl und sein Heilanstalten“  (1842) Seite 226:

„An der Straße nach Salzburg liegt der Kalvarienberg, zu dessen Kirche, welche vorzüglich von ferne einen malerischen Anblick gewährt, man leicht emporsteigt, da steinerne Stufen unmittelbar bis an den Kirchenplatz heranführen. Obschon der Hügel, auf welchen diese vom Frömmigkeitssinne der Ischler begründete und erhalten Anlage sich befindet, nicht hoch ist, eröffnet sich doch daselbst seine  überraschend schöne Aussicht.“

Kein Wunder, dass die Maler des Biedermeier den Kalvarienberg um seine Stationskapellen in ihre Studien einbeziehen. Hierher gehören:

1828: Thomas Ender (1793 — 1875), „Erste Station aus den Kalvarienberg“ (Stahlstich); um 1830: Rudolf V. Alt (1812 — 1905) „lschl mit der Kalvarienbergkirche“ (Aquarell), Original in Kupferstichkabinett Akademie der bild. Künste, Wien (beide Bilder wiedergegeben in Marks, Oberösterreich in alten Ansichten, Landesverlag, Linz, 1966, Ender: Nr. 199, Alt: Farbtafel XVIII); u 1840; Anton Schiffer (1811 — 1849), „Die Ischler Kalvarienbergkirche “, ovales Ölbild, Privatbesitz.

Im Jahre 1866, zur Zeit Pfarrer Ferdinand Auböcks, erhielten die Stationskapellen neue Bilder im Stil der Nazarener-Schule. Das ist die Zeit, in der sich auch das bäuerliche Umland rund um der Kalvarienberg wandelt. In unmittelbarer Nähe entsteht in den sechziger Jahren das noble „Hotel Bauer“, das u.a. den deutschen Kaiser Wilhelm I., den Kaiser von Brasilien, Don Pedro II. und den König von Siam Tschulalongkorn I. zu seinen Gästen zählt. Es wurde 1969 wegen Baufälligkeit abgetragen, von dem der schön gelegene Kaiser-Elisabeth-Waldweg nach Pfandl (bei der 3. Station) und der Bauernfeld—Weg nach Ahorn (bei der Hl.—Grab—Kapelle) abzweigt.


Im Abrechnungsbuch „Ecclesia inmonte Calvaria“, von Pfarrer Weinmayr am 1. Jänner 1876 begonnen und mit peinlicher Genauigkeit geführt bis ins Jahr 1911, da ihm der Tod die Feder aus der Hand nahm, finden wir einige interessante Eintragungen. Abgesehen von den immer wiederkehrenden Ausgaben für Chorregent, Orgelaufzieher, Mesner, Ministranten usw. finden wir unter dem 29. März 1883 die Notiz „Beleuchtung des Kreuzes“ und 1887: „Nachtwache in der Karwoche, Amperl Zur Kreuzbeleuchtung.“ Darunter dürfen wir das Lichterkreuz Verstehen, dessen 132 Talglichter („Amperl“) ihren Schein in die Karfreitag- und Karsamstagnacht gesandt haben. In den Jahrzehnten nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Jahr 1963 betreute die Familie Malermeister Neureiter dieses Lichterkreuz. Im Zuge der Außenrenovierung wurde 1964 der im Jahre 1840 errichtete hölzerne Vorbau abgetragen, auf dem das Lichterkreuz befestigt war. Die Fassade der Stirnfront hat durch diese Maßnahme ihre barocke Grundgestalt zurückbekommen.

Die zahlreichen Bildstöcke, die am Waldrand hinter der Kirche von Ischler Familien errichtet worden waren, entsprachen dem Frömmigkeitsstil des 19. Jahrhunderts. Nur drei davon sind bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben: eine Marienkapelle am Beginn des Bauernfeld-Weges, eine steinerne Bildsäule und eine Rindenkapelle mit der Darstellung „Christus im Elend“. In der Sakristei Ecke wird Jesus im Kerker gezeigt, der Westwand im Südturm ist eine Gedenktafel „Zur frommen Erinnerung an Minka Gräfin Almasy, geb. Gräfin Wenkheim, 1837 — 1917“, eingefügt. Unterhalb des Mesnerhauses befindet sich eine Marmortael mit dem Text “Aus Dankbarkeit, 25. Juli 1918“, die für das nebenstehende Antoniusbild gedacht war und Zeugnis für die Beliebtheit und Verehrung dieses  Heiligen gibt.

Das ausgehende 19. Jh. brachte auf Calvaria mancherlei Neuerungen:  Zunächst die seltsame Dekorationsmalerei (1893) im Inneren Kirche, von der schon anlässlich der Renovierung des Deckenfreskos die Rede war. Um diese Zeit erfolgte auch die Neugestaltung der Seitenaltäre. In prachtvolle Barockrahmen werden Bilder im Nazarener-Stil eingefügt. Auf der Evangelienseite eine „Beweinung Christi“, auf der Epistelseite die „Kreuzabnahme“. Diese beide Bilder flankieren nun die Kreuzigungsgruppe. An den Seitenaltäre verblieben barocke Holzstatuen: St. Sebastian und St. Antonius (Evangelienseite) und St. Franziskus von Assisi und St. Johannes der Evangelist (Epistelseite). Schließlich bleibt noch der Neubau des Mesnerhauses 1891 zu erwähnen.

Um die Jahrhundertwende betreute der Mesner Stefan Bachauer zur Weihnachtszeit die gern besuchte Kalvarienberg-Krippe. Ein wesentlicher Teil ihres Bestandes ist indessen auf weiten Umwegen in den Krippenraum des Linzer Schlossmuseums gewandert und hat dort als ,,Salzkammergut-Heimatkrippe“ einen würdigen Platz gefunden (1964). Die Jahre 1901 — 1904 sind ausgefüllt mit Verhandlungen, die Prälat Weinmayr mit verschiedenen Ordensgemeinschaften (Franziskaner, Kapuziner, Karmeliter) führte, um den Kalvarienberg  mit einem Kloster zu krönen. Bis zum Grunderwerb und Planentwurf war dieses Vorhaben schon gediehen, doch blieb ihm schließlich der Erfolg versagt. Im Jahre 1904, da die Bemühungen endgültig gescheitert waren, finden wir aber einen neuen Spender im Abrechnungsbuch der Jahr für Jahr bis zu seinem Tod der Kalvarienbergkirche 204 Kronen stiftet: Seine Majestät Kaiser Franz Joseph.

Vielleicht war er in der Karwoche 1889 mit Kaiserin Elisabeth auch auf dem Kalvarienberg, berichtet doch die Prohaska-Chronik S.55 dass in diesem Jahr Kaiser und Kaiserin mit ihrem Hofstaat anlässlich der Trauer um den Kronprinzen (Mayerling!) die Karwoche, sowie die Osterfeiertage in Ischl verbrachten.
Die Not der Jahre nach dern Zerfall der Monarchie erlaubte auf Calvaria nur die notwendigsten Reparaturen. Ähnlich war es nach dern Zweiten Weltkrieg. 1952 hatte Prof. Daringer die 12 Stationsbilder der Kreuzwegkapellen erneuert. Die große Renovierungsarbeit „am Berg“ konnte aber erst in den Jahren 1960/68 unter Stadtpfarrer Monsignore Franz Mayr geleistet werden. Darüber berichtet ausführlich die Urkunde, die am 18. August 1968 im Turmknauf hinterlegt worden ist.

Die Nacht vorn 21. zum 22. Mai 1975 brachte der Kirche einen schweren Verlust. Brutale Verbrecher raubten von der Kreuzigungsgruppe vier Kelche- tragende Engel samt Silberleuchtern. Sie sind bis heute verschollen. Die derzeitigen Figuren sind gut gelungene Kopien der Originale. Einen erfreulichen Zuwachs brachte das Jahr 1996, als Herr und Frau Dr. Strauss, die schon die durch den ersten Weltkrieg in Verlust geratene Glocke des nördlichen Turmes durch eine neue ersetzten mit der Inschrift: „Künde uns Frieden und Freude“ daneben die Darstellungen des heiligen Franziskus und des heiligen Georg sowie das Signum der Glockengiesserei Grassmayr Innsbruck. Ein Frater namens Georg vom Franziskanerorden war es auch, der die Kirche 27 Jahre hindurch betreute, bis ihn 2007 Gott zu sich rief. Eine Gedenktafel an der Südseite erinnert an ihn. Ab 2008 haben das Ehepaar Maria und Hans Schrattbauer Wohnung und Betreuung übernommen.
In der Zeit vor Ostern ist der Kalvarienberg ein viel und gern besuchter Ort. Ab der ersten Fastenwoche ist jeden Freitag morgens Messfeier, in der Karwoche Kreuzwegandachten und am Karfreitag eine Feierstunde. Der Karsamstag  Nachmittag ist für zahlreiche Ischler Familien Anlass bei den Stationskapellen, in der Kirche und am Hl. Grab sich im stillen Gebet für den Ostersonntag vorzubereiten.

 

Zeittafel zur Geschichte des Ischler Kalvarienberges

1704 Baubeginn  
1705 Marienbild „Madonna mit den Tränen“ (Ezinger)  
1706 Fertigstellung der Kirche und der Stationskapellen  
1707 Messerlaubnis für den Hochaltar  
1709 Votivbild „Brand im Gries“  
1711 Kirchweihe (Lamberg) Seitenaltäre  
1715 Marienaltar (Lidl) Orgel (Santmayer)  
1715 Jüngstes Gericht (Preisl)  
1716 Messerlaubnis für Seitenaltäre (Rabatta)  
1724 Glocke (Häckhl)  
Um 1764 Hl. Grab  
1779 Erweiterung: 2 Türme  
1824 Renovierung (Ausmalung)  
1828 Thomas Ender, Erste Station (Stahlstich)  
Um 1830 Rudolf von Alt, Kalvarienbergkirche (Aquarell)  
Um 1840 Anton Schiffer, Kirche auf Calaria (Ölbild)  
1866 neue Bilder für die Stationskapellen  
1891 Bau des Mesnerhauses  
1893 Ausmalung  
um 1900 Kalvarienbergkrippe  
1901 - 1904 Plan für ein Kloster auf Calvaria  
1914 — 1918 Erster Weltkrieg Verlangt Glocke vom Nordturm  
1952 Stationsbilder erneuert (Daringer)  
1960 — 1968 Gesamtrenovierung  
1975 Neue Kirchenbänke  
1977 Installierung der Alarmanlage  
1980 Kirchendach neu eingedeckt  
1982 Fassade und Terrakottafiguren renoviert  
1983 Tabernakel am Hauptaltar  
1984 Stationsbilder renoviert  
1985 Grabkapelle renoviert  
1996 zweite Glocke (Ton c/2) Grassmayr  
2006 Wiederaufnahme der Kreuzbeleuchtung am Karfreitag